Entscheidungstechniken nutzen auf Basis des Cynefin-Modells

Inhaltsverzeichnis

Stacey-Matrix
Cynefin-Framework
Fünf Systeme des Cynefin-Frameworks
1. Einfache Systeme
2. Komplizierte Systeme
3. Komplexe Systeme
4. Chaotische Systeme
5. Verwirrung
Handlungsmuster in den Systemen
Cynefin-Modell
Fazit

In agilen Projekten liegen Entscheidungen immer mehr in der Hand des Projektteams. Damit das Projektteam Entscheidungen treffen kann, ist es wichtig, Methoden zur Entscheidungsfindung zu kennen und zu nutzen.

Dabei können Entscheidungen beliebig komplex sein und nicht jede Entscheidungstechnik ist die „richtige“ für die entsprechende Fragestellung.

Wie können Projektteams für ihre Fragestellung die richtige Entscheidungstechnik finden?

Um diese Frage zu beantworten, sind zwei Modelle miteinander verknüpft worden, die Stacey-Matrix und das Cynefin-Framework.

Stacey-Matrix

Die sogenannte Stacey-Matrix (in Anlehnung an Ralph D. Stacey) ist ein einfacher Ordnungsrahmen zur Abgrenzung einfacher, komplizierter, komplexer und chaotischer Aufgaben. Sie bietet eine klare Portfolio-Strukturierung.

Stacey-Matrix

Die Stacey-Matrix wurde von dem Professor Ralph Douglas Stacey für Management an der Hertfordshire Business School in Großbritannien entwickelt. Sie hilft bei der Entscheidung, welches Vorgehen beim Management von Projekten und Prozessen angesagt ist – zum Beispiel ein eher agiles Vorgehen oder ein Standard-Vorgehen.

Da Entscheidungen aber immer auf die gleiche Art und Weise getroffen werden, wird die Stacey-Matrix auch generell bei der Auswahl von Entscheidungstechniken eingesetzt.

Die horizontale Achse der Stacey-Matrix ist die Wie-Achse. Sie steht für den Weg, wie eine Entscheidung zu treffen oder eine Herausforderung zu meistern ist, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Die vertikale Achse hingegen ist die Was-Achse. Sie steht für die Ziele, die es zu erreichen gilt bzw. welchen Nutzen der Kunde hat. Bei einer Entscheidung können sowohl die Ziele und der Kundennutzen, die zu erreichen beziehungsweise zu erfüllen sind, als auch der bestmögliche Weg hierzu mehr oder weniger bekannt oder unbekannt sein.

Die Stacey-Matrix ist ein wirkungsvolles Instrument, um zu einer ersten Einschätzung über die passende Entscheidungstechnik zu gelangen – Welche Entscheidungstechnik ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zielführend? Ist die Entscheidungssituation „einfach“ oder „kompliziert“ kommt man in der Regel mit Standardprozessen und Lean-Ansätzen weiter. Ist sie hingegen „komplex“ oder gar „chaotisch“, sollte man sich agiler Entscheidungstechniken bedienen.

Cynefin-Framework

Inhaltlich ist die Stacey-Matrix sehr ähnlich zum sogenannten Cynefin-Framework von Dave Snowden.

Cynefin ist das walisische Wort für Lebensraum. Beim Cynefin (kunev’in ausgesprochen) handelt es sich um ein Framework, welches bereits Anfang des Jahrtausends von IBM entwickelt und später von David Snowden weiterentwickelt wurde.

Die zentrale Fragestellung in Hinblick auf das Framework ist, Entscheidungsträgern einen Kompass zu geben, wenn es darum geht, eine Situation oder eine Fragestellung besser einschätzen zu können und aus dieser die geeignete Entscheidungstechnik abzuleiten.

Cynefin-Framework

Fünf Systeme des Cynefin-Frameworks

Das Cynefin-Rahmenwerk kennt 5 Systeme, wobei sich die ersten vier mit der Stacey-Matrix decken.

1. Einfache Systeme

Offensichtlich oder auch als Simpel bezeichnet ist die Kategorie der Best Practices. Wir sprechen von “Offensichtlich”, weil es eine klar erkennbare Beziehung von Ursache und Wirkung gibt, welche auch bekannt ist. Damit befinden wir uns in einem Kontext, wo Fragestellungen durch die Anwendung bestehender, geprüfter Entscheidungstechniken gelöst werden.

2. Komplizierte Systeme

Komplizierte Fragestellungen und Herausforderungen lassen sich ebenfalls durch bewährte Entscheidungstechniken lösen. Allerdings sind die Ursache-Wirkungsbeziehungen zwischen den einzelnen Fragestellungen so vielfältig und zahlreich, dass man spezielles Fachwissen benötigt und sie explizit untersuchen muss, um sie nachvollziehen zu können.

3. Komplexe Systeme

Komplexe Systeme sind im Gegensatz zu komplizierten Systemen ungeordnet, so dass die Ursache-Wirkungsbeziehungen nicht mehr vorausschauend, sondern nur im Rückblick erkannt werden können. Bei komplexen Systemen wird auf Erfahrungen zurückgegriffen.

Die angewandten Entscheidungstechniken sollten daher die Erfahrungen und das Know-how des Projektteams berücksichtigen.

4. Chaotische Systeme

In chaotischen Systemen können keine Ursache-Wirkungsbeziehungen identifiziert werden. Auf identischen Input kann das System mit unterschiedlichen Outputs reagieren, da es sich beständig verändert.

Das Projektteam sollt hier auf agile Entscheidungstechniken zurückgreifen.

5. Verwirrung

Der Zustand der Verwirrung besteht dann, wenn unklar ist, welche Art von System vorliegt. Projektteams ziehen sich dann in ihre Komfortzone zurück, d.h. sie treffen Entscheidungen dann nur aufgrund ihrer bestehenden Erfahrungen, ohne die tatsächliche Situation zu berücksichtigen. Bevor hier Entscheidungen getroffen werden können, muss eine Reduktion ggf. Aufteilung in Einzel-Schritten vorgenommen werden.

Handlungsmuster in den Systemen

Die Handlungsmuster für das Vorgehen unterscheidet sich in den einzelnen Systemen.

In simplen / offensichtlichen Systemen steht die Frage nach dem Sinn im Vordergrund, dem Folgen das Kategorisieren und Reagieren. Es ist sowohl bekannt, was der Kunde braucht als auch der Weg dorthin.

Das Handlungsmuster für komplizierte Systeme ist auch hier zuerst die Frage nach dem Sinn. Die richtige Entscheidungstechnik sollte anschließend analysieren, was der Kunde will, bevor das Handeln den Weg zur Lösung beschreibt.

Bei komplexen Systemen sollte die Entscheidungstechnik zuerst das Untersuchen unterstützen, da in komplexen Systemen auf Erfahrungswerte zurückgegriffen wird. Aus den Erfahrungen kann dann der Nutzen für den Kunden herausgearbeitet werden, um dementsprechend zu reagieren.

In chaotischen Systemen gibt es keine Grundlage, auf welche man sich verlassen kann. Auch das Ergebnis kann bei gleichen Voraussetzungen unterschiedlich sein. Die genutzten Entscheidungstechniken basieren auf notwendigen sowie nützlichen Voraussetzungen. Das bedeutet, dass Projektteams / Entscheider erst handeln bzw. testen bevor nach dem Nutzen für den Kunden gefragt wird.

Cynefin-Modell

Damit für Projektteams nachvollziehbar ist, welche Entscheidungstechnik zu welchem System passt, mach es aus meiner Sicht Sinn, die beiden Modelle übereinander zu legen. Dabei habe ich bewusst auf die fünfte Domäne „Verwirrung“ verzichtet, da diese ohne Reduktion keine Grundlage für Entscheidungen bildet.

Die Domänen des Cynefin-Frameworks sind so aufgebaut, das auf der rechten Seite (simpel / offensichtlich und kompliziert), die Domänen „geordnet“ sind – Ursache und Wirkung sind bekannt. Die Domänen auf der linken Seite (komplex und chaotisch), sind „ungeordnet“: – Ursache und Wirkung können nur im Nachhinein oder gar nicht abgeleitet werden.

Damit ein Übereinanderlegen möglich war, habe ich die Systeme des Cynefin-Frameworks neu angeordnet, ohne jedoch die Inhalte zu ändern. So kann das strukturierte Portfolio der Stacey-Matrix genutzt werden.

Die folgende Grafik zeigt die Stacey-Matrix mit den zugehörigen Handlungskompetenzen und den entsprechenden Entscheidungstechniken aus dem Cynefin-Framework.

Insgesamt sind hier 21 Entscheidungstechniken den Systemen zugeordnet worden. Einen Anspruch auf Vollständigkeit ist dabei aber nicht gegeben.

Ebenso ist die Zuordnung der Entscheidungstechniken zu den Systemen von mir subjektiv durchgeführt worden.

Um aufzuzeigen, dass es sich bei der Grafik um eine neue Darstellung handelt, ist von mir der Begriff „Cynefin-Modell“ gewählt worden.

Ziel dieses neuen Modells ist es, Projektteams die Auswahl der richtigen Entscheidungstechnik zu erleichtern, damit nicht mit „Kanonen auf Spatzen“ geschossen wird. Für die Auswahl des neuen Druckers in einem Unternehmen ist kein „Systemisches Konsensieren“ notwendig. Andersherum kann ich bei einem Großbrand nicht über die Entscheidungstechnik „Abstimmung“ bestimmen, an welcher Stelle das Löschen des Brandes beginnt.

Dieser Artikel ist der erste in einer Reihe zu „Entscheidungstechniken für selbstorganisierte Projektteams“. In weiteren Artikeln lesen Sie u.a. über Werte und Prinzipien als Grundlage für Entscheidungen. Außerdem lernen Sie in jedem Artikel vier bis fünf Entscheidungstechniken detaillierter kennen. Im nächsten Artikel Ende November werden dies hauptsächlich Entscheidungstechniken aus dem offensichtlichen und dem komplexen System sein. Die vorgestellten Entscheidungstechniken helfen dabei, Prioritäten zu setzen.

Fazit

In der heutige Projektwelt sollten Projektteams schnell auf Veränderungen reagieren können. Dabei gehört für agile Projektteams das Treffen von Entscheidungen zur täglichen Herausforderung. Jedes Projektteam sollte eine Reihe von Entscheidungstechniken kennen und in der Lage sein, die „richtige“ Entscheidungstechnik für die bestmögliche Lösung zu nutzen. Das Einordnen der Entscheidungstechnik auf das Cynefin-Modell unterstützt die Auswahl.

In diesem Sinne: Nutzen Sie das Cynefin-Modell für Ihre nächste Entscheidungsauswahl und freuen Sie sich auf die bestmögliche Lösung.

 

Hinweise:

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Mehr Informationen zu Cornelia Kiel und ihrer Arbeit finden Sie auf der Webseite www.pins-performance.de.